Weinbauempfehlung 04|2026
Sommerliche Temperaturen – die ersten Tropfen fallen
In den letzten Tagen führten warme und trockene Bedingungen in den Nächten dazu, dass das Risiko eines Befalls mit Oidium merklich gestiegen ist. Ab dem Sechsblattstadium können unter solchen günstigen Voraussetzungen am Mycel der Zeigertriebe verstärkt Konidien gebildet werden. In vielen Anlagen ist das 4-Blatt Stadium erreicht. Früher Regionen steuern bereits das 7/8-Blatt Stadium an.
Bei der aktuellen Pflanzenschutzstrategie sollte daher vor allem der Zuwachs der Reben sowie der Druck durch Echten Mehltau berücksichtigt werden. Tiefdruckgebiete über Mitteleuropa bringen zunächst teils kräftige Niederschläge und kühlere Luft für Dienstag, Mittwoch und Donnerstag mit sich. Von Dienstagnachmittag bis in die Nacht zieht aus Südwesten Regen mit Gewittern durch, und auch am Mittwoch kommt es nach anfänglichen Auflockerungen erneut zu schauerartigem, teils gewittrigem Regen. Am Donnerstag fällt noch gelegentlich Regen, der gegen Abend abklingt. Freitag und Samstag verlaufen überwiegend trocken mit Sonne-Wolken-Mix und steigenden Temperaturen, wobei es am Samstagnachmittag vereinzelt Schauer oder Gewitter geben kann. Am Sonntag bzw. zu Beginn der folgenden Woche wird es wieder unbeständig mit möglichen Schauern, Gewittern und sinkenden Lufttemperaturen. Da die Wetterprognose nicht stabil ist, kann eine Abdeckung mit Kupfer zum Belagsaufbau eingeplant werden (100g rein Cu/ha). Es bleibt abzuwarten, inwieweit durch das Fallen der Niederschläge ein rasches Quellen der Oosporen für eine Primärinfektion sorgen können. Wetter im Auge behalten!
Wie an der Minimalschnittanlage erkennbar ist, hat das Blattwachstum deutlich zugenommen und die Laubwand wird zunehmend dichter und grüner. Hinsichtlich der Bodenfeuchte sollte weiterhin auf eine wassersparende Bewirtschaftung geachtet werden. Dazu gehört, Begrünungen frühzeitig zu reduzieren und dichte Grasbestände sowohl im Unterstockbereich als auch in den Fahrgassen zu vermeiden.
Einsaaten sollten gewalzt oder gemulcht werden, um eine schützende Schicht zu schaffen, die den Boden vor dem Austrocknen bewahrt. Eine erste Spritzung mit Netzschwefel sollte, soweit noch nicht erfolgt, jetzt in jedem Weinberg durchgeführt werden. Mit Ausblick auf ihre zweite anstehende Behandlung empfehlen wir:
Unsere Empfehlungen:
Bei starkem Laubzuwachs = Spritzintervalle max. zehn Tagen sinnvoll
Zur Oidiumbehandlung empfehlen wir: Netzschwefel – mit Ausblick: Belanty, Prosper Tec oder Spirox.
Bei geringerer Gefährdung reicht ein organisches Produkt wie Vivando aus.
In ökologisch geführten Anlagen bewährt sich eine Kombination aus Natrisan und Netzschwefel in frühen Entwicklungsstadien gegen Echten Mehltau. Beim Befall von Milben oder Zikadenbefall kann Kiron effektiv eingesetzt werden.
Empfehlungen zur nächsten Pflanzenschutzbehandlung im Weinbau
Basisaufwand x 1 bis x 2 (100-300 l Wasser/ha)
Die Mittelaufwandmenge in Minimalschnittlagen der Laubwand anpassen!
| Infektion | Produkt | Konventionell | Ökologisch | ||
| Basisaufwand | ha-Aufwand | Basisaufwand | ha-Aufwand | ||
| Mehltau | Netzschwefel | 3,6-5 kg/ha | 3,6-5 kg/ha | ||
| Natrisan | 3 kg/ha | 3 kg/ha | 3 kg/ha | 3 kg/ha | |
| Wetcit | 0,1-0,2 % | 0,1-0,2 % | 0,1-0,2 % | 0,1-0,2 % | |
| Belanty* | 1 l/ha | 0,6-0,9 l/ha | |||
| Prosper Tec | 0,33 l/ha | bis 0,66 l/ha | |||
| Spirox | 0,2 l/ha | bis 0,4 l/ha | |||
| Peronospora | Funguran Progr + Upside | 0,5 gr/ha + 2,5 l/ha* | 0,295 gr/ha + 1,5 l/ha | ||
| Kupro + Upside | 2 l/ha + 2,5 l/ha* | 0,53 l/ha + 1,5 l/ha | |||
| Delan SC | 0,4 l/ha | 0,36 l/ha | |||
| Folpan 80 WDG | 0,4 kg/ha | bis 0,8 kg/ha | |||
| Veriphos/Foshield | 1,0 l/ha | bis 2,0 l/ha | |||
| Vinergy | 1,0 l/ha | bis 2,0 l/ha | |||
| Spinnmilben | Kiron | 0,6 l/ha | 0,6 l/ha |
*Laubwandflächenbezug d.h. Aufwandmenge auf 10.000 m2 Laubwand
"Dampf für die Reben" - Blattdünger
Für eine Minimierung von Wachstumsstress sorgen bspw. Blattdünger. Für den ökologischen Weinbau empfehlen wir Lebosol Hepta Eisen. Eine Blattdüngeranwendung im konventionellen Weinbau kann mit dem Produkt Fructol durchgeführt werden.
Chlorosebekämpfung
In den letzten Zügen sollte eine Chlorosebekämpfung mittels Bodenanwendung per Basafer Plus vollzogen werden. Für eine spätere Behandlung in der Saison eignet sich eine Blattanwendung mittels Chelal Fe/Mn oder Lebosol Hepta Eisen (auch im Bioanbau zugelassen).
pH-Wert
Für eine optimale Wirkung von Pflanzenschutzmitteln im Weinbau sollte der pH-Wert der Spritzbrühe im leicht sauren Bereich liegen, idealerweise zwischen 5,0 und 6,5. In diesem Bereich bleiben viele Wirkstoffe stabil und können von der Pflanze besser aufgenommen werden. Ein zu hoher pH-Wert (alkalisch) kann hingegen zu einem schnellen Abbau der Wirkstoffe und damit zu Wirkungsverlusten führen, während ein zu niedriger pH-Wert das Risiko von Pflanzenschäden erhöht. Da Wasser in der Praxis häufig neutral bis alkalisch ist, kann eine gezielte pH-Anpassung der Spritzbrühe sinnvoll sein. Hierzu bieten sich pH-Regulatoren (Kombi aus Säure+Netzmittel) oder organische Säuren (Zitronensäure oder Essigsäure) an.
Gute fachliche Praxis
Aufgrund der fehlenden Niederschläge lassen sich momentan sehr gut die Wirkung von Herbizid-Anwendungen feststellen. Hierzu appellieren wir den Herbizid-Streifen schmal zu halten, was ein nahezu gesamtes „Abspritzen“ der gesamten Fahrgasse nicht mit einer fachlichen guten Praxis einhergeht.
Weitere Empfehlungen
Hier finden Sie unsere Empfehlungen der vergangenen Wochen:
Ihr Ansprechpartner
Dr. Christian Ihrig
Fachberatung
Weinbau
Telefon: 0171 / 91 66 863
E-Mail:
christian.ihrig@rwz.de